Als der damalige Präsident Yun Suk-yeol an jenem außergewöhnlichen Dezemberabend 2024 das Kriegsrecht ausrief, Truppen ins Parlament entsandte und einen Krieg mit Nordkorea anzetteln wollte, konnte er kaum ahnen, dass sein politischer Zusammenbruch den Startschuss für eine der weltweit ehrgeizigsten Kryptopolitiken geben würde.
Doch genau so kam es.
Der zweistündige Putschversuch, der in seiner Amtsenthebung gipfelte, schuf ein Machtvakuum, das Lee Jae-myung, ein ehemaliger Provinzgouverneur mit disruptivem Ruf, füllte. Mit klarer Regierungsmehrheit und Mandat brachte Lees Regierung nur wenige Tage nach Amtsantritt das Digital Asset Basic Act ein und begann, acht Jahre Krypto-Beschränkungen für Unternehmen zurückzunehmen.

Bevor wir tiefer einsteigen, sollten Sie eines über Südkorea wissen: Das Land ist eine technologisch hochentwickelte Volkswirtschaft mit einer kryptoaffinen Bevölkerung, die sich weiterhin klassischen ökonomischen Herausforderungen gegenübersieht, denen die herkömmliche Geldpolitik nicht beikommt. Kryptowährungen dienen sowohl als sofortige Antwort auf ökonomischen Druck als auch als Basis für langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Die meisten heutigen Cross-Chain-Anwendungen sind mangelhaft – voller unsicherer Bridges, Hacks und unausgereifter Zwischenlösungen.
t3rn setzt hier einen völlig neuen Maßstab: Transaktionen werden atomar, reversibel und vertrauenslos über Blockchains hinweg ausgeführt.

Konkret heißt das:
Kein mühsames Bridging mehr. Kein Zusammenstückeln einzelner Abläufe. Reibungslose, modulare Interoperabilität als integraler Bestandteil Ihrer Smart Contracts.
Dies ist keine Übergangslösung. Cross-Chain sollte von Beginn an so funktionieren.
Inzwischen besitzen über 16 Millionen Südkoreanerinnen und Südkoreaner Krypto-Konten – mehr als die 14,1 Millionen Aktienanleger im Land. Zum ersten Mal in der Landesgeschichte übersteigen digitale Vermögenswerte die Beteiligung an klassischen Aktien.
Rund ein Drittel der Bevölkerung Südkoreas handelt mit Kryptowährungen. Unter Erwachsenen unter 60 Jahren sind es über 50 %. Ein Fünftel der Staatsbediensteten gibt inzwischen Krypto-Bestände im Wert von knapp 9,8 Millionen US-Dollar an. Laut Hana Institute of Finance besitzen 27 % der 20- bis 50-Jährigen Krypto, digitale Vermögenswerte machen 14 % ihrer gesamten Finanzportfolios aus.
Diese Entwicklung krönt Jahre wachsender Krypto-Akzeptanz, getrieben durch ökonomischen Druck, technisches Know-how und eine politische Kehrtwende hin zur Förderung statt Blockade dieses Trends.
Die Öffnung Südkoreas für Krypto ist Ausdruck realer wirtschaftlicher Zwänge, die klassische Instrumente nicht beheben konnten. Für 2025 prognostiziert das Land 0,8 % BIP-Wachstum – Zahlen, wie sie sonst nur in schweren Finanzkrisen auftreten. Die Jugendarbeitslosigkeit erreichte im März 7,5 % und damit den Höchstwert seit 2021.
Die Staatsverschuldung Südkoreas liegt bei 47–48 % des BIP, nach der Pandemie angestiegen und nun stabil. Ende 2024 machten Koreas private Schulden 90–94 % des BIP aus, damit gehört das Land weltweit und insbesondere im asiatischen Vergleich zu den Spitzenreitern. Anders als in anderen Wirtschaftsnationen übersteigen die Privatschulden die Staatsschulden deutlich. In den USA betragen Privatschulden 69,2 % gegenüber 128 % Staatsverschuldung, in Japan liegt diese Relation bei 248 % zu nur 65,1 %. Koreas umgekehrte Schuldensituation führt zu besonderen wirtschaftlichen Zwängen: Nicht vorrangig Sorgen um Staatsfinanzen, sondern finanzieller Stress der privaten Haushalte steuert die geldpolitische Agenda.
Bei stagnierendem Wachstum und steigenden Zinsen wird diese Schuldenlast zur Belastung für den Konsum, die mit klassischen geldpolitischen Maßnahmen nicht zu beheben ist.
Für Millionen junge Koreaner steht Krypto nach Aussage der Forscherin Eli Ilha Yune für „finanzielle Verzweiflung“ – nicht wegen einer technischen Überzeugung, sondern als reale Antwort auf eine Wirtschaft mit geringen Chancen zur Vermögensbildung. Aktien bringen kaum Renditen, Immobilien sind praktisch unerschwinglich, und die staatliche Rente gilt als unsicher.
Vor diesem Hintergrund unterscheidet sich die Krypto-Adoption in Südkorea klar von anderen Märkten. Während westliche Anleger Krypto als Diversifikation oder technische Wette nutzen, sehen Koreaner darin essenzielle Finanzinfrastruktur – die Politik reagiert auf einen bereits vollzogenen Wandel.
Die Regierung Lee will verhindern, dass koreanisches Vermögen in Form von dollarbasierten Stablecoins ins Ausland abfließt. Bisher kaufen Anleger gezwungenermaßen fast ausschließlich USDT oder USDC und verlagern so Kapital in US-gesteuerte Finanzsysteme.
Südkoreanische Kryptobörsen transferierten im ersten Quartal 2025 rund 56,8 Billionen Won (ca. 40,6 Mrd. US-Dollar) an digitalen Assets ins Ausland. Stablecoins machten davon 26,87 Billionen Won (ca. 19,1 Mrd. US-Dollar) aus, fast die Hälfte (47,3 %) aller Krypto-Auslandsabflüsse.
Interessant ist, dass dieser Kapitalabfluss trotz der relativen Stärke des Won erfolgt. Der KRW gewann 2025 rund 6,5 % gegenüber dem Dollar und lag im Juli zwischen ₩1.393 und ₩1.396 je USD. Die Präferenz für Dollar-Stablecoins ist also nicht auf eine schwache Landeswährung zurückzuführen, sondern auf den Mangel an won-basierten Alternativen und die Dominanz USD-basierter Krypto-Infrastruktur.
Das Digital Asset Basic Act schafft erstmals einen regulatorischen Rahmen, sodass koreanische Unternehmen won-basierte Stablecoins emittieren können. Die Eintrittsbarriere liegt bei 500 Millionen Won (ca. 370.000 US-Dollar), um Wettbewerb zu ermöglichen, aber Mindeststandards zu sichern.
Kann eine won-basierte Stablecoin-Strategie Kapitalflucht wirklich verhindern? Koreanische Anleger könnten weiterhin USDC kaufen, falls sie Dollarexposure wünschen. Das Ziel ist vielmehr, die Nachfrage nach ausländischen Stablecoins zu senken, indem won-basierte Alternativen mit denselben Vorteilen (Programmierung, DeFi, 24/7-Handel) bereitgestellt werden. Entscheidender ist: Die Finanzinfrastruktur bleibt inländisch – Gebühren, Verwahrung und Dienstleistungen fließen an koreanische Institute statt an Circle oder Tether. Es handelt sich eher um Verhaltenslenkung als klassische Kapitalverkehrskontrolle, indem won-basierte Optionen komfortabler werden und das Finanzsystem unter koreanischer Aufsicht bleibt.
Acht große koreanische Banken arbeiten bereits an einem won-basierten Stablecoin, der Ende 2025 oder Anfang 2026 eingeführt werden soll. Im Konsortium vertreten sind KB Kookmin, Shinhan, Woori, Nonghyup, Industrial Bank of Korea, Suhyup, K Bank und IM Bank. Sie wollen nicht nur mit USDT und USDC konkurrieren, sondern eine eigene Infrastruktur schaffen, die ökonomische Wertschöpfung in koreanischen Kreisläufen hält.
Diese Strategie verdeutlicht die Sorge um die Dominanz des US-Dollars im digitalen Finanzsektor. Aktuell sind 99 % aller Stablecoins an den Dollar gekoppelt – das verschafft US-Institutionen und Regulierern enorme Kontrolle über digitale Märkte.
Die südkoreanische Zentralbank hat ihre Skepsis gegenüber privat emittierten Stablecoins bekräftigt: Diese könnten „die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen ernsthaft schwächen und systemische Risiken verursachen“. Die so entstandene Auseinandersetzung trug zur Aussetzung des südkoreanischen CBDC-Projekts im Juni bei, da es fraglich schien, ob eine staatliche Digitalwährung notwendig ist, wenn private Alternativen effizienter funktionieren könnten.
2017 untersagte Südkorea Unternehmen, Institutionen und Finanzdienstleistern die Eröffnung von Krypto-Börsenkonten, aus Sorge vor Spekulation und Geldwäsche. Nur Privatpersonen durften Krypto über verifizierte Echtname-Konten handeln. Firmen- und institutionelle Konten waren blockiert, Banken unterlagen besonders strengen Compliance-Vorgaben. Diese Auflagen werden nun stufenweise gelockert.
In der ersten Phase (ab Mitte 2025) dürfen gemeinnützige Organisationen und ausgewählte öffentliche Stellen Kryptowerte aus Spenden oder Beschlagnahmungen monetarisieren, sofern sie strenge Compliance-Anforderungen wie verifizierte, won-basierte Echtname-Konten und interne Kontrollgremien erfüllen.
Bis Ende 2025 will die Regierung im Rahmen eines Pilotprogramms rund 3.500 börsennotierten Unternehmen und institutionellen Investoren Zugang zu Krypto-Börsenkonten verschaffen. Diese Konten sind echtnameverifiziert und unterliegen strikten AML- (Anti-Geldwäsche) und KYC-Prüfungen. Laut Finanzaufsicht dürfen gelistete Unternehmen künftig direkt am Kryptohandel teilnehmen und damit großflächig in den Markt einsteigen.
Die führenden koreanischen Kryptobörsen bieten bereits „institutionelle“ Produkte, Verwahrungslösungen und Support für diesen neuen Markt – in Erwartung des steigenden Interesses durch Unternehmen und professionelle Investoren.
Vorläufig sind Banken, Vermögensverwalter und Broker weiterhin vom direkten Kryptohandel ausgeschlossen. Damit führen nicht-finanzielle Unternehmen die erste institutionelle Krypto-Offensive an – ein potenzieller Vorteil, solange die Regulierung sukzessive angepasst wird.
Lees Krypto-Initiative erhält breite politische Unterstützung – auch über seine Partei hinaus. Beide großen Parteien versprachen im Wahlkampf, Krypto-ETFs zu legalisieren – in Korea ein seltener politischer Schulterschluss. Die Finanzaufsicht, die sich zuvor gegen Krypto-ETF-Gespräche stellte, hat nun eine Roadmap für die Zulassung von Spot-Bitcoin- und Ethereum-ETFs bis Ende 2025 vorgelegt.
Dahinter steht: Krypto ist längst ein zentrales Wählerthema geworden. Mit mehr als 16 Millionen Kryptobesitzern – etwa einem Drittel der Bevölkerung – ist Digital Assets-Politik in den politischen Mainstream gerückt.
Auch die Krypto-Wirtschaft erhält neue Impulse. Das Ministerium für KMU und Start-ups plant, das Qualifizierungsverbot für Krypto-Firmen als Venture-Unternehmen zu streichen, sodass diese von erheblichen Steuervergünstigungen profitieren: Fünf Jahre 50 % Körperschaftsteuerermäßigung und 75 % Ermäßigung bei der Grunderwerbsteuer.
Der Finanzmarkt reagierte prompt. Nach Markenanmeldungen für Stablecoins stiegen Bankaktien spürbar. Die Kakao Bank legte um 19,3 % innerhalb eines Tages zu, die KB Financial Group um 13,38 % nach ähnlichen Schritten.
Noch auffälliger: Koreanische Privatanleger investierten im Juni fast 450 Millionen US-Dollar in Aktien der Circle Internet Group – damit war Circle die meistgekaufte Auslandsaktie im Monat. Seit Börsendebüt im Juni stieg die Aktie um mehr als 500 %, viele Koreaner sehen sie als Proxy für globale Stablecoin-Adoption.
Solche Investitionen zeigen: Koreanische Anleger verstehen, wie viel Einfluss die koreanische Stablecoin-Politik auf internationale Nachfrage nach entsprechender Infrastruktur nehmen könnte. Sie positionieren sich strategisch für eine weltweit größere Rolle koreanischer Regulierung.
Allerdings steht Lees Strategie auch unter erheblichem Druck von außen. US-Präsident Donald Trump drohte mit wechselseitigen Zöllen von bis zu 50 %, was die exportorientierte Wirtschaft Koreas massiv belasten würde. Da Exporte rund 40 % des BIP ausmachen, könnte ein Handelskonflikt eine Rezession auslösen und damit Kapital für Krypto-Investments unabhängig von regulatorischen Fortschritten verknappen.
Darum ist Eile geboten: Koreanische Behörden drücken beim Aufbau der Krypto-Infrastruktur aufs Tempo, bevor mögliche Handelskonflikte die Kapitalbasis für neue Investitionen schmälern.
Im Inland sorgt vor allem die ablehnende Haltung der Zentralbank gegenüber privaten Stablecoins für regulatorischen Konflikt. Die Bank of Korea bevorzugt, dass die Stablecoin-Emission bei Banken verbleibt und Technologieunternehmen nicht zum Bestandteil der monetären Infrastruktur werden.
Auch die Besteuerung ist weiter offen. Eine geplante Kapitalertragssteuer von 20 % auf Kryptogewinne oberhalb von jährlich 2,5 Millionen Won wurde mehrfach verschoben, ist aber weiterhin angekündigt. Wie diese Steuer mit dem neuen unternehmerischen Zugang zu Kryptomärkten zusammenwirkt, wird die institutionelle Nachfrage mitbestimmen.
Koreas Vorgehen bei der Kryptoregulierung wird international aufmerksam beobachtet – als mögliches Vorbild für Länder mit ähnlichen wirtschaftlichen Herausforderungen und Digitalisierungsdruck. Die Verbindung aus klaren Regeln, institutionellem Zugang und inländischer Stablecoin-Infrastruktur steht für einen umfassenden Ansatz der Integration digitaler Assets.
Gelingt das, könnte das koreanische Modell auch die Politik anderer asiatischer Länder prägen und als Vorlage für Staaten dienen, die Währungshoheit behalten und dennoch Innovation bei digitalen Vermögenswerten fördern wollen.
Nächste Woche stelle ich Ihnen wieder einen spannenden Fall vor.
Bis dahin … HODLen Sie weiter,





