Autor: Nancy, PANews
Letzte Nacht lag die Luft im Silicon Valley voller Geldverbrennung.
Mit 110 Milliarden US-Dollar an Finanzierungen und einer Post-Money-Bewertung von 8,4 Billionen US-Dollar hat OpenAI eine tiefgreifende Bombe gezündet, die nicht nur die Grenze privater Tech-Unternehmen neu setzt, sondern auch den globalen KI-Wettbewerb in einen extremen, harten „Falt-Raum“ führt.
Dies ist kein romantisches Tech-Startup-Märchen mehr, sondern ein Spiel um nationale Schicksale, Rechenleistungsherrschaft und den Verlauf der Zivilisation.
In der Geschichte der Technologie hat OpenAI eine beeindruckende Finanzierungsrekord aufgestellt.
Am 27. Februar kündigte OpenAI an, bei einer Bewertung von 730 Milliarden US-Dollar eine neue Runde mit 110 Milliarden US-Dollar an Kapital aufgenommen zu haben, was die Bewertung nach der Finanzierungsrunde auf 8,4 Billionen US-Dollar anhebt. Im Vergleich zu den 400 Milliarden US-Dollar im Vorjahr ist die Finanzierungsrunde um mehrere Male gewachsen und stellt den Rekord für private Tech-Firmen dar. Das Kapital setzt nicht mehr nur auf die Zukunft, sondern sichert sie vorzeitig.

Was bedeutet 110 Milliarden US-Dollar?
Diese Zahl übertrifft das gesamte Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Ländern wie Kenia, Venezuela, Luxemburg oder Panama. Selbst Saudi-Arabien, der globale Öl-Gigant, hat ein Jahres-BIP von etwa 1 Billion US-Dollar. Eine Finanzierungsrunde in dieser Größenordnung entspricht etwa einem Zehntel der jährlichen Produktion Saudi-Arabiens.
Diese Summe entspricht ungefähr dem Jahresumsatz von Nvidia, fast der Hälfte des aktuellen Wertes von SpaceX und ist die Summe der Finanzierungen der Internet-Giganten Uber, Didi, Alibaba, ByteDance, Tencent, Meituan und Co. während des Goldenen Zeitalters des Internets.

Im KI-Bereich markiert eine einzelne Finanzierungsrunde von 110 Milliarden US-Dollar zweifellos einen Wendepunkt und verändert über Nacht die Spielregeln der Branche. 2025 wird die Gesamtfinanzierung für KI-Startups voraussichtlich 200 Milliarden US-Dollar übersteigen – ein Rekord. Doch OpenAI hat in einer einzigen Nacht mehr als die Hälfte dieses Betrags eingesammelt.
Diese Größenordnung verschärft den Rüstungswettlauf im KI-Sektor. Branchenführer müssen mit noch größeren Finanzierungsrunden nachziehen, sonst droht ihnen im Kampf um Rechenleistung, Modelle und Talente der Rückstand. Gleichzeitig erhöht die Expansion der Bewertung den Druck auf die Bewertung und die Realisierung. Wenn viel Kapital gebunden wird, wird die Finanzierungsphase drastisch eingeschränkt, die Verhandlungsspielräume für mittelständische KI-Unternehmen schrumpfen, die Überlebensdauer verlängert sich, und das Risiko einer Branchenkonzentration steigt – mit möglichen Blasen, Ressourcenmonopolen und Innovationsverlusten.
Wenn Kapital in solch enormen Mengen eingesetzt wird, ist KI nicht mehr nur eine technologische Erzählung, sondern wird zum Kernasset des Kapitalzeitalters und zum Schlachtfeld für große Kapitalgefechte.
Die drei Hauptinvestoren, die eine Summe von 110 Milliarden US-Dollar bereitstellen, sind Amazon, Nvidia und SoftBank, die Rechenleistung, Vertriebskanäle und Kapital bündeln.
Doch es handelt sich nicht nur um eine reine Finanzierungsrunde. Es ist eher eine strategische Wette auf die Zukunft von AGI, bei der Technik, Rechenleistung und kommerzielle Interessen eng verzahnt sind.
Der großzügigste Investor ist Amazon, das sowohl ein bedeutender Investor bei OpenAI ist als auch ein langjähriger strategischer Partner.
Von den insgesamt 50 Milliarden US-Dollar Zusagen wurden bereits 15 Milliarden fest zugesagt, die restlichen 35 Milliarden sollen in den kommenden Monaten unter bestimmten Bedingungen fließen. Diese Bedingungen umfassen das Erreichen von AGI-Meilensteinen oder die Umsetzung eines Börsengangs bis Jahresende. Zudem haben beide Seiten eine achtjährige Erweiterungsvereinbarung im Wert von 100 Milliarden US-Dollar unterzeichnet.
Dieses Modell, bei dem Kapital in Anteile investiert wird, um zukünftigen Rechenbedarf und technologische Vorrechte zu sichern, ähnelt der Zusammenarbeit von OpenAI mit Microsoft. Bemerkenswert ist, dass OpenAI und Microsoft spezielle Klauseln haben: Sobald AGI erreicht ist, verliert Microsoft den Zugriff auf die entsprechenden Technologien (Hinweis: In der im Jahr 2025 unterzeichneten neuen Vereinbarung wurden die IP-Rechte an Modellen und Produkten bis 2032 verlängert).
SoftBank investiert 300 Milliarden US-Dollar, die in drei Tranchen im April, Juli und Oktober 2026 ausgezahlt werden. Diese gestaffelte Auszahlung wird als Risikomanagement interpretiert. SoftBank spielt in dieser Finanzierungsrunde nicht nur eine Geldrolle. Marktquellen berichten, dass OpenAI vorhat, bis März weitere rund 10 Milliarden US-Dollar von Investoren zu sammeln, darunter Staatsfonds und Investmentgesellschaften. Die Gesamtbewertung könnte auf 850 Milliarden US-Dollar steigen, wobei potenzielle Investoren wahrscheinlich über SoftBank einsteigen.
Der Gründer von SoftBank, Masayoshi Son, setzt seit Jahren stark auf KI und verkündete öffentlich, dass die KI-Revolution die spannendste und dynamischste Fronttrendszene der Zukunft sei. Ende 2024 besuchte Son das Trump’sche Mar-a-Lago und versprach, 100 Milliarden US-Dollar in den USA zu investieren. Im vergangenen Jahr kündigte er zudem die Beteiligung an „Interstellar Gate“ an, einem KI-Infrastrukturprojekt im Wert von bis zu 500 Milliarden US-Dollar in den USA, bei dem SoftBank die Finanzverantwortung trägt und OpenAI die Betriebsführung übernimmt. Zudem hat Son im letzten Jahr „mit Tränen in den Augen“ Nvidia-Aktien verkauft, um die Investitionen in OpenAI zu finanzieren – und ist damit einer der größten externen Investoren von OpenAI geworden.
Nvidia, das bereits seit langem auf der Wunschliste steht, hat nun 30 Milliarden US-Dollar bereitgestellt, um die zuvor vereinbarten 100 Milliarden US-Dollar langfristige Kooperation zu ersetzen. Damit hat OpenAI Nvidia’s Kapazitäten vorzeitig monopolisiert und ein exklusives „Inner Circle“-System aufgebaut. Außenstehende Wettbewerber, die nur Grafikkarten kaufen wollen, müssen bis 2030 warten.
Dieses Modell wird als typisches Lieferanten-Finanzierungsmodell gesehen, bei dem Tech-Giganten durch Kapitalbindung langfristige Geschäftsbeziehungen sichern. In diesem KI-Wettlauf ist Kapital nicht nur ein Finanzinstrument, sondern ein Werkzeug zur Sicherung von Rechenressourcen und zur Kontrolle der Dominanz.
Hinter der enormen Kapitalzufuhr steht nicht nur eine kollektive Wette auf AGI, sondern auch die Anerkennung des Geschäftsmodells von OpenAI.
Laut offiziellen Angaben hat ChatGPT, das Flaggschiff-Produkt von OpenAI, derzeit über 900 Millionen wöchentliche aktive Nutzer – vor 18 Monaten waren es noch 200 Millionen; die Zahl der Abonnenten hat die 50-Millionen-Marke überschritten und erreicht einen historischen Höchststand mit einer Pay-Rate von über 5 %. Über 9 Millionen gewerbliche Nutzer, darunter viele Unternehmen und Behörden, nutzen ChatGPT oder bauen Produkte auf OpenAI API auf.
Doch das schnelle Wachstum geht mit enormen Kosten einher. Für 2025 prognostiziert OpenAI einen Umsatz von etwa 13 Milliarden US-Dollar bei Ausgaben von 8 Milliarden US-Dollar. Das bedeutet, dass für jeden verdienten Dollar etwa 62 Cent an Cash verbrannt werden. Laut The Information zeigt eine interne Prognose von OpenAI, dass die kumulative Cash-Entnahme bis 2029 bei 115 Milliarden US-Dollar liegen wird, mit einem Break-even erst 2030. Zudem plant OpenAI, bis 2030 insgesamt rund 600 Milliarden US-Dollar in Recheninfrastruktur zu investieren.
Ohne kurzfristig profitabel zu werden, ist diese enorme „Geldverbrennungsrate“ für OpenAI eine ständige Herausforderung, auf externe Finanzierungen angewiesen zu bleiben.
Noch wichtiger ist, dass die einst so geschützte Marktdominanz von OpenAI ins Wanken gerät.
Daten des Mobilitäts-Analysetools Apptopia zeigen, dass der Marktanteil von ChatGPT von 69,1 % im Januar 2025 auf 45,3 % im Jahr 2026 gefallen ist. Gleichzeitig stiegen die Marktanteile von Google Gemini (von 14,7 % auf 25,2 %) und Elon Musks Grok (von 1,6 % auf 15,2 % im gleichen Zeitraum).
Mit der Herausforderung, Gewinne zu erzielen und starken Konkurrenten gegenüberzustehen, könnte der Börsengang (IPO) für OpenAI die „Rettungsleine“ sein.
Der Zeitplan für den Börsengang rückt näher. Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Wall Street Journal bereitet sich OpenAI auf einen Börsengang im vierten Quartal 2026 vor und hat bereits Kontakt zu Investmentbanken aufgenommen, um einen Chief Financial Officer und Investor Relations zu rekrutieren. Gründer Sam Altman sagte kürzlich, er werde bei geeigneter Gelegenheit einen Börsengang in Betracht ziehen. Falls es gelingt, könnte dies eines der wichtigsten IPOs im Technologiesektor 2026 werden.
Das bedeutet, dass Sam Altman mit verbundenen Augen auf der schmalen Gratwanderung des IPOs läuft. Es ist nicht nur ein Rennen um Technik, sondern auch ein Kampf um die Geduld der Kapitalgeber.
Dieses Ziel, ein IPO Ende des Jahres, könnte den Höhepunkt der aktuellen KI-Blase markieren oder den eigentlichen Beginn des AGI-Zeitalters. Doch davor sitzen alle an diesem teuersten Spieltisch, halten den Atem an und warten auf die Karten, die fallen.